Naorras Eis

Da ist eine Geschichte. Irgendwo, am Rand meiner Wahrnehmung. Sie handelt von Eis und Schnee und von einer Welt unter den Bergen, von Gängen, die in das Gestein geschnitten wurden, von großen Hallen und von blassgrünem Gras. Sie handelt von einem jungen… ja, was eigentlich? Ein Riantaar. Ein Angehörige eines Volkes, das ich nicht kenne, das für mich sehr fremd ist.
Manchmal kann ich Einblicke erhaschen in diese Welt, in der sie spielt. Manchmal kann ich die eisig kalte Luft der Oberwelt atmen oder die vielfältigen Gerüche der Höhlen in meiner Nase spüren. Manchmal kann ich die Riantaar durch ihre Höhlengänge schleichen sehen, aber ich kann sie nie genau erkennen. Ich weiß nicht einmal, wie sie aussehen. Ich weiß nur, dass sie Fell und scharfe Krallen haben, dass sie auf zwei Beinen gehen und auf vier, dass sie weder für die Kälte der Oberwelt noch für die feuchte Wärme der Höhlen geschaffen sind. Aber ich kann eine Menge über ihr Leben erzählen, wenn ich mich darauf konzentrieren… Ich weiß, woran sie glauben, was sie essen, wo sie schlafen, wie sie geboren werden, wie sie sterben.

Ich möchte diese Geschichte greifen. Ich möchte sie schreiben. Ich möchte in sie eintauchen, möchte sie schmecken, sehen, riechen, anfassen. Aber sie entzieht sich mir. Ihre Bilder tanzen am Rand meines Verstandes und verschwinden, wenn ich mich ihnen zuwende. Sie verschwinden, wenn ich versuche, sie zu fangen. Dann tauchen sie wieder auf, an einer anderen Stelle und locken mich, verspotten mich, weil ich so schwerfällig geworden bin, so langsam in meinem Geist. Ich kann sie nicht greifen, nicht begreifen.

Vielleicht bin ich blind geworden dafür… Vielleicht braucht es einfach nur seine Zeit. Ich weiß es nicht. Ich weiß auch nicht, welchen Sinn dieser Text hier innehat. Ich wollte es nur loswerden, irgendwie… Auch wenn’s wohl keiner liest.

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Eine verwirrte Künstlerin.