Bran, Nordend (WotLK-Showdown)

Aaaaaalter Text. Mir fiel auf dass ich ihn gar nicht hier hatte, obwohl ich ihn mag.

Die warme Dunkelheit umhüllte den Druiden einem Spinnennetz gleich. Er füllte sich gefangen. Die schweren Zeltplanen über seinem Kopf schienen ihn zu zerdrücken, obwohl sie ihn nicht einmal berührten.
Er blieb reglos sitzen, obwohl alles in ihm fliehen wollte. Er hatte es aufgegeben, zu versuchen, Körper und Geist in Einklang zu bringen, also ignorierte er den Körper und seinen Trieb nach Freiheit so gut es ging.
Sein Blick wanderte ruhelos in winzigen Raum hin und her, blieb immer wieder an Mithael hängen. Sie schlief, zu einer Kugel zusammengerollt, wie ein Wildtier. Ihr verzerrtes Äußeres verstärkte diesen Eindruck nur noch. Er hatte die Veränderungen an ihr aufmerksam studiert, seit sie eingeschlafen war, hatte lange gebraucht, um seine Gedanken zu ordnen.
Immer und immer wieder verfluchte er sich dafür, nicht an der Front geblieben zu sein. Immer wieder schalt er sich für die Ruhelosigkeit, die ihn immer wieder dazu trieb, auf Wanderschaft zu gehen. Und doch konnte man Dinge nicht ändern, waren sie einmal geschehen.
Lass mich dich nach Hause bringen, hatte er ihr gesagt. Ohne darüber nachzudenken, aus dem Augenblick heraus. Wie hat sie ihn dazu bringen können? Der Blick ihrer Augen, der sich direkt in seine Seele bohrte. Die Berührung der zu einer Klaue gewordenen Hand. Nur eine Momentaufnahme?
Was hatte sie, was die Anderen, vor ihr, nicht hatten? Sie waren jung, unerfahren. Novizinnen des Zirkels. Sie weckten Dinge in ihm, die er lieber im Schatten gelassen hätte.
Und sie alle konnten Royan nicht ersetzen. Keine von ihnen konnte ihr Bild verdrängen, das Bild, das er jedes Mal sah, wenn er die Augen schloss. Wenn er träumte. Das Bild, das ihn verfolgte, wenn er in die Wälder ging und sich in der Umarmung des Bärengeistes verlor.
Er sehnte sich danach, die Leere zu füllen, die ihr Tod in ihm hinterlassen hatte. Doch keine von ihnen genügte. Keine von ihnen konnte ihm auf seinen Wegen folgen. Keine von ihnen konnte die Geduld aufweisen, auf ihn zu warten, wenn er auf Reisen ging. Und keine von ihnen hatte die Stärke, die Royan besaß.
Und Mithael? Sie faszinierte ihn, auf ihre eigene Art und Weise. Doch er ließ sich leicht faszinieren. Und verlor das Interesse ebenso schnell wie er es gewann. Nichts konnte ihn dauerhaft fesseln. Nichts konnte die Ruhelosigkeit, die ihn so quälte, von ihm nehmen. Vermochte sie es?
Sie hatte im Kampf gegen die Geißel ihre Grenzen überschritten, hatte sich vielleicht zu weit in den Smaragdgrünen Traum gewagt, und der Alptraum hatte nach ihr gegriffen. Doch es waren nur Vermutungen, die er anstellte. Sie hatte sich ob ihres Anblicks geschämt, als er sie gesehen hatte und er verachtete diese Schwäche.
Du wirst das, was du suchst, nicht unter den Novizinnen des Zirkels finden, meldete sich eine leise Stimme in seinem Inneren. Du wirst ihnen – und dir – nur Leid zufügen, wie du es immer getan hast, seit sie gegangen ist. Vergiss nicht, sie war eine Kriegerin, keine Schwester des Zirkels.
Novizinnen. Frauen, die den Weg eines Druiden gehen wollten. Vor nicht allzu langer Zeit hatte Bran diesen Gedanken für absurd gehalten, fühlte sich von ihm abgestoßen.
Und jetzt übten sie eine Faszination auf ihn aus, die ihn selbst verwunderte. Er versuchte, die Bilder zu verbannen, die vor seinem geistigen Auge aufstiegen. Zwei Nachtpirscher, die auf Jagd gingen, zwei lautlose Schatten im hohen Gras. Zwei Sturmkrähen, die bei den Felsen Azsharas nach warmen Aufwinden suchten. Royan konnte es mit ihm nicht teilen, so perfekt ihr Zusammenleben auch war. Royan konnte nur warten. Doch Royan war nicht mehr.
Nichts konnte seine Zweifel zerschlagen außer die Zeit selbst. Er musste geduldig sein.

Und wenn er länger darüber nachdachte, erschien ihm die Vorstellung, Nordend zu verlassen und nach Eschental zurückzukehren, sehr willkommen. Vielleicht konnte er dort schlafen, ohne alle paar Minuten aufzuwachen und nach der Geißel Ausschau zu halten.
Was machte das schon? Der Krieg würde auch ohne ihn entschieden werden. Er hatte seinen Teil geleistet und verdiente etwas Ruhe.

Etwas Ruhe… Er lehnte sich an die Zeltplane, seine Augenlider schlossen sich wie von selbst. Nur ein kurzes Verharren, bevor der unruhige Ruf eines Argentumkreuzfahrers ihn wieder aufscheuchte.
Widerwillig kroch der Druide aus dem Zelt und stieg als Sturmkrähe in die Luft, um nach dem untoten Störenfried zu suchen, der den Wachmann gestört hatte. Die Dunkelheit um ihn herum blieb unverändert, nur die Wärme war gewichen und zu einer schneidenden Kälte geworden.